Nistkastenaktion der Ortsgruppe Sternenfels

 

Natur erleben und in ihrer Vielfalt schützen - unter diesem Motto hat die Sternenfelser Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins eine besondere Aktion gestartet. Der Verein unterstützt den Kauf von Vogelnistkästen.

Die Aktion startete mit einem Vortrag des Diefenbacher Ornithologie-Experten

Dr. Stefan Bosch in der Sandbauernstube. Sehr viele Tiere in unseren Gärten sind Höhlenbewohner. Dazu zählen neben vielen Vogelarten auch Insekten und Säugetiere wie zum Beispiel Siebenschläger. Den besten Lebensraum für diese Tiere bieten naturnahe Gärten mit natürlichen Nisthöhlen in alten auch zerfallenen Bäumen. Doch wo diese nicht vorhanden sind, kann man der Natur auch etwas "auf die Sprünge helfen" - wobei Dr. Stefan Bosch betont: "Nistkästen sind immer nur die zweitbeste Lösung, in unserer "ordentlichen und aufgeräumten Kulturlandschaft aber unbedingt notwendig". Seinen Vortrag startete Dr. Stefan Bosch mit einem kleinen Ausflug in die "Geschichte" der Nistkästen. Ursprünglich wurden Nistkästen aufgehängt um Stare anzulocken und zu fangen. Die jungen Vögel wurden vor dem Ausfliegen aus den Nestern geholt und von den Vogelfängern verspeist. Später wurde dann der Nutzen der Vögel als Insektenvertilger entdeckt. Zunächst wurden Nisthilfen in den Wäldern ausgehängt, so begann man, die Schädlinge der Bäume auf natürliche Art zu bekämpfen. Heute dienen Nistkästen vor allem dem Arten- und Naturschutz und bieten in Hausgärten eine ausgezeichnete Möglichkeit die Natur zu erleben. Am besten geeignet seien Nistkästen aus Holzbeton, so der Ornithologie-Experte, denn diese sind nach natürlichen Vorbildern wie beispielsweise Spechthöhlen gebaut. Sowohl Material als auch Form garantieren den gefiederten Bewohnern ein optimales Raumklima.

Herr Dr. Bosch erklärte anschließend die verschiedenen Arten der Nisthilfen und deren Bewohner. Typische Höhlenbrüter sind Meisen, Sperlinge, Wendehals, Kleiber und Star. Durch eine gezielte Auswahl der Größe des Einfluglochs kann man bestimmte Arten auch nebeneinander im Garten ansiedeln. Für den Hausrotschwanz eignen sich bestens Halbhöhlen und für die beliebten Mehlschwalben, die den Hausbewohnern schließlich Glück bringen sollen, werden besondere Brutschalen angeboten. Da die Mehlschwalben sehr gesellige Tiere sind werden Nester in Gruppen besonders gern angenommen. Neben den Höhlenbrütern nisten in unseren Gärten auch Nischenbrüter wie Grauschnäpper und Bachstelze und Freibrüter wie viele Finken, Grasmücke, Heckenbraunelle oder Singdrossel. Gebäudebrüter wie Storch, Schleiereule, Turmfalke und Dohle verlangen von den Hausbesitzern ein großes Maß an Toleranz, da bei diesen Arten mit deutlichen Verschmutzungen der Umgebung zu rechnen ist. Wer sich für Nistkästen entscheidet sollte auch bereit sein diese richtig aufzuhängen und zu pflegen. Die Öffnung des Fluglochs sollte ungefähr nach Süden zeigen. Im Mai sollten die Kästen kontrolliert und im Herbst gereinigt werden. Dabei sind alte Nester zu entfernen und die Kästen ohne Verwendung chemischer Mittel zu säubern.

Besonders eindrucksvoll schilderte Herr Dr. Bosch den Brutverlauf einer Meisenfamilie. Blaumeisen legen pro Tag ein Ei, bis nach 10-15 Tagen alle Eier gelegt sind. Erst dann beginnt das Brutgeschäft. Nach 12-14 Tagen schlüpfen die Jungen. Um nach ca. 20 Tagen flügge zu sein müssen die Jungvögel enorme Futtermengen zu sich nehmen. Den Altvögeln fordert das Füttern eine unvorstellbare Leistung ab. Zu Beginn sind pro Tag ca. 70 Futterflüge notwendig. Der Einsatz steigert sich auf über 850 Futterflüge pro Tag kurz vor dem Ausfliegen der jungen Vögel. Dabei werden täglich zwischen 800 und 900 Gramm Insekten beigeschleppt - und das von nur einem Vogelpaar. Diese Zahlen machen deutlich, das Vögel in unseren Gärten nicht nur schön anzuschauen sondern auch extrem nützlich sind und einen wertvollen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung liefern. Trotz aller Bemühungen zur Aufzucht der Jungvögel ist die Überlebensrate eher gering. Von 100 gelegten Eiern werden nur ca. 40 Vögel das nächste Jahr erleben und nur 12 werden wieder Junge aufziehen. Es schlossen sich noch Ausführungen über Fütterung und "Vogelkonkurrenten" an. Der größte Feind sind die Hauskatzen und Marder aber auch Eichhörnchen. Elstern, immer als Nesträuber gefürchtet, seien besser als ihr Ruf. Dr. Bosch gab jedoch zu, dass er ein besonderer Freund von Rabenvögeln sei und deshalb die Elstern in Schutz nähme. Die Besucher in der Sandbauernstube nutzten anschlließend die Gelegenheit, Nistkästen zu bestellen. Für jeden bestellten Nistkasten steuert der Albverein einen Zuschuss bei, sodass die Kästen teilweise zur Hälfte des offiziellen Katalogpreises erworben werden können. Der Albverein unterstreicht damit seine Verantwortung für Naturschutz und Landschaftspflege, die sich in weiteren Aktionen wie Biotoppflege, Baumpflanzaktionen und Markungsputzete fortsetzt.