Literarische Wanderung im Schillerjahr 2005

 

Zu einem ganz besonderen „Grenzpunkt“ im Leben des großen deutschen Dichterfürsten Friedrich Schiller führte die „Literarische Wanderung“, zu der die Sternenfelser Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins und die Kulturquelle eingeladen hatte. Am Knittlinger Schillerblick las der Illinger Autor und Schillerkenner

Hansjörg Ziegler aus den Werken des großen Schwaben. Das Schillerjahr 2005 zum 200. Todestag des Dichters nahmen der Sternenfelser Albverein und die Kulturquelle zum Anlass für diese Schillerwanderung. 
Die Wanderung von Sternenfels aus über die Sieben Buchen und das Oberderdinger Horn führte die etwa 30 Teilnehmer zum Schillerblick am Knittlinger Ortseingang. Fast auf den Tag genau vor 223 Jahren, in der Nacht vom 22. auf den 23. September 1782 kam Schiller hier auf seiner Flucht vor Herzog Carl Eugen von Württemberg vorbei. „Wir stehen hier an einer Stelle, die Schillers Leben geteilt hat“, so Hansjörg Ziegler, der den literarischen Teil der Wanderung mit dem Gedicht “Teilung der Erde“ eröffnete. Als Schiller hier die Grenze nach Baden überschritt, stand er genau in der Mitte seines Lebens. Zusammen mit seinem Freund Andreas Streicher flüchtete er vor Kasernierung und Militärdrill in der Hohen Carlsschule, wo er dem Herzog als Regimentsmedicus diente, insbesondere aber vor dem vom Landesherren verhängten Schreibverbot und der angedrohten Festungshaft. „Den Besuch des russischen Zaren Paul I. in Stuttgart nutzten Schiller und sein Freund Streicher für die Flucht. Mit der Postkutsche ging es über Enzweihingen, wo man Kaffee trank, und Illingen zur Umspannstation Knittlingen, damals „Grenzstadt“, erklärte Ziegler. „Schiller suchte seine Hoffnungen im Ausland. Nach dem großen Skandalerfolg bei der Uraufführung seiner „Räuber“ in Mannheim wollte er dort Theaterschriftsteller werden“. Schiller habe das Theater und seine Stücke als „moralische Besserungsanstalt“ für das Publikum gesehen, an diesem Traum wollte er in Mannheim weiterarbeiten. Unter dem knorrigen Birnbaum am Schillerblick kam es dann auch noch zu einer theaterreifen Szene: Als Räuberhauptmann Karl Moor ließ Hansjörg Ziegler seine Räuberbande, also die Wanderer, Schillers Räuberschwur ablegen. Der zweite Teil der literarischen Lesung fand im Knittlinger Gasthaus Kanne-Post statt. Die Schüler Hagen und Rüdiger Garhöfer umrahmten am Klavier mit Stücken von Schiller-Zeitgenosse Ludwig van Beethoven die weitere Schiller-Lesung.  Hier trug Hansjörg Ziegler verschiedene Schillerballaden wie „Der Handschuh“ oder auch „Die Bürgschaft“ vor. „Freundschaft und Treue war in Schillers Leben und Werk stets ein ganz wichtiges Thema, weil er sie erfahren und davon profitiert hat“, so Hansjörg Ziegler. Seine ganz großen Erfolge, die sich mit „Wallenstein“, „Wilhelm Tell“ und „Die Jungfrau von Orleans“ einstellten, konnte Schiller aufgrund immer stärker werdender gesundheitlicher Probleme nicht mehr voll auskosten: mit nur 46 Jahren starb er an einer Bauchfellentzündung. Mit sehr persönlichen Worten schloss Hansjörg Ziegler seine Lesung.

„Mir persönlich gefällt an Schiller, dass uns seine Texte bis heute noch berühren und uns viel zu sagen haben“. Johann Wolfgang Goethe habe Schiller treffend charakterisiert: „Das war ein rechter Mensch. So sollte man auch sein“.