Kirchenführung in Diefenbach

 

Zum 450. Geburtstag von Heinrich Schickhardt hatten die Sternenfelser Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins und die Evangelische Kirchengemeinde Sternenfels-Diefenbach gemeinsam zu einer bauhistorischen Führung in die Diefenbacher Pfarrkirche eingeladen. Das Interesse an diesem Nachmittag war groß:

rund 150 Zuhörer wollten die Ausführung von Schuldekan Martin Moravek, der 12 Jahre lang Pfarrer in Sternenfels und Diefenbach war und der in dieser Zeit auch die Geschichte der Diefenbacher Kirche erforscht hat, hören. „Unsere Diefenbacher Kirche ist ein Denkmal der Baukunst und des Glaubens und beeindruckt noch heute durch ihre schöne, fast heitere und spielerische Gestaltung“, meinte Pfarrer Joachim Pfau, der die Gäste begrüßte. Inwieweit der damalige württembergische Landbaumeister Heinrich Schickhardt darauf Einfluss genommen hat, erläuterte Martin Moravek in seinen Ausführungen. „Unter anderem durch seine Italienreisen war Schickhardt stark von der Renaissance beeinflusst, das spürt man in der Diefenbacher Kirche“, so Moravek. Ein Umbau war damals notwendig geworden, weil das Vorgängergebäude baufällig und zudem für die Gemeinde zu klein war. Für Schickhardt, der immerhin auch ganze Städte wie etwa Freudenstadt geplant und gebaut hat, war Diefenbach wohl eine „eher kleine Sache“, wie die Zuschauer aus einem Interview zwischen einer Diefenbacherin (Ursula Moravek) und Schickhardt persönlich (Martin Moravek) erfuhren. Rund 800 Silbergulden hat der gesamte Umbau damals gekostet, 22 Silbergulden davon waren Schickhardt's Lohn. „Die Bauakten aus dieser Zeit sind erstaunlich detailgetreu. Unter anderem ist ein Beschwerdebrief der örtlichen Kirchengemeinde an den Herzog erhalten, in dem gefordert wird, auch örtliche Handwerker mit Aufträgen zu versehen“, berichtete Moravek. Ungeklärt sei indes bis heute, warum auf einer Schriftsäule zum Abschluss der Umgestaltung 1619 zwar die örtliche Bauherrschaft verewigt sei, nicht jedoch der große Planer und Landesbaumeister. „Für uns ist das heute verwunderlich, aber vielleicht war man damals einfach nicht so Schickhardt-zentriert, der eher die nüchterne bautechnische Seite abdeckte“, meinte Moravek. Eine umfangreiche Umgestaltung erfuhr die Diefenbacher Kirche 1771, „bei der letzten großen Renovierung 1968 wurde der Bau dann wieder deutlich auf die Schickardtsche Linie zurück geführt“, so Moravek. Abschließend bedankte sich Kirchengemeinderatsvorsitzender Joachim Herdtweck beim Ehepaar Moravek und bei der Organistin Sabine Velte, die mit Orgelmusik aus der Zeit Schickhardts die Ausführungen  begleitete.

Bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen in der „Alten Krone“ fand diese Kulturveranstaltung des Sternenfelser Albvereins und der Kirchengemeinde einen schönen Abschluss. Der Erlös dieser Veranstaltung kommt der nunmehr anstehenden Kirchen- und Orgelrenovierung zugute.