Adventszeit in der Sandbauernstube

Früher war es auf dem Land üblich, an langen Winterabenden zu Nachbarn oder Freunden in den Vorsitz zu gehen. An diesen Abenden wurden gemeinsam Geschichten erzählt, gespielt, musiziert und kleinere Handarbeiten erledigt. Der Sternenfelser Albverein knüpft mit seinem Adventsvorsitz in der Sandbauernstube schon seit Jahren an diese Tradition an. „Es gibt kein festgelegtes Programm, alle Gäste sind eingeladen, sich mit eigenen Beiträgen in die Gestaltung des Abends einzubringen“, betonte Vertrauensmann Reinhold Roller.

Das taten die Besucher des Vorsitz dann auch: Heiteres und Besinnliches, Modernes und Traditionelles rund um die Advents- und Weihnachtszeit wurde in Gedichten und Geschichten vorgetragen, auch alte Sternenfelser Sagen wurden erzählt.
Dazwischen sangen die Besucher gemeinsam Adventslieder. Begleitet wurden sie dabei von sieben jungen Musikerinnen des Musikvereins Freudenstein an ihren Instrumenten.
Ein besonderer Gast durfte an diesem Abend natürlich nicht fehlen: Der Pelzmärte klopfte an die Türe der Sandbauernstube. Während die braven Kinder schnell gefunden und beschenkt waren, dauerte die Suche nach braven Erwachsenen schon etwas länger. Doch am Ende war der Geschenkesack leer, und der wilde Geselle machte sich wieder auf den Heimweg – der Sternenfelser Pelzmärte wohnt schon seit Urzeiten in der unwegsamen Krebsklinge im Strombergwald.
Der Adventsvorsitz in der Sandbauernstube ließ bei einigen Besuchern Erinnerungen an diese alte Tradition wach werden. „Wir haben bei den Vorsitzen früher immer etwas geschafft“, sagt Anneliese Hummel. Die heute 83-jährige Sternenfelserin erinnert sich beispielsweise an das „Verziehen“ von Weiden. „Wir saßen alle in der Küche, und wir Kinder haben die Äste, geordnet nach Länge, gebündelt“, erklärt sie. Ihren Einsatz fanden diese Weidenästchen im Weinbau beim Anbinden der Reben. Säcke flicken oder Tabakblätter zum Trocknen auffädeln seien außerdem Aufgaben für Kinder gewesen. „Während der Arbeit haben wir uns unterhalten. Die Neuigkeiten aus dem Dorf wurden ausgetauscht, uns Kindern wurden Geschichten und Sagen erzählt. Gerade die Geschichten von Geistern, die in bestimmten Gegenden in Sternenfels umgehen, haben uns Kindern einen gehörigen Schrecken eingejagt“, erzählt sie.
Dass die Vorsitz-Tradition noch bis Ende der 1970er Jahre gepflegt wurde, berichtet Ella Albrecht: „Wir haben gesponnen und gestrickt, dazu gab es Most von Eduard Wilhelm und frische Fasnetsküchle von Frau Rosenblüh“, erinnert sie sich. „Es waren schöne Abende, an die man gerne zurückdenkt.“